Verantwortung übernehmen in der Osteopathie

 

 

Ich empfinde diese Tage als unheimlich wichtig für diese Welt. Es ist wie „Abitur für Erwachsene“, mir gefällt hier das Wort aus meiner Heimat „Matura – Reifeprüfung“ fast besser. Es zeigt doch, wie reif wir durch all unsere Coachings, Selbstoptimierungsseminare, Meditationsretreats und Spruchkalender während der Wohlstandsjahre wirklich geworden sind.

Jetzt zählt es, während der Krise, seine stolz aufgestellten Werte aus ruhigen Tagen umzusetzen.

Was mich allerdings doch aus der Bahn warf, war ein gut gemeinter Ratschlag aus dem Netz, „endlich Verantwortung zu übernehmen und alle Osteopathiepraxen zu schließen“ man könne die „Profitgier nicht über das Wohl der Menschen setzen“. Puuh, das tat weh, vor allem, weil es zeigte, wie wenig Menschen über Osteopathie (anscheinend selbst die Kollegin, die das schrieb) wissen.

Ich habe in der vergangenen Woche ein Schreibaby behandelt. Die Eltern waren am Limit, die Kleine schreit seit kurz nach der Geburt. Die Geburt war sehr schwer, ich habe eine Beckentorsion und eine Blockade in der Halswirbelsäule gelöst. Die Muskelspannung dieses Kindes hat sich während der Sitzung normalisiert. Die Eltern waren so dankbar für den Termin.

Ich habe in dieser Woche eine junge Krankenschwester, die in einer Klinik in Wiesbaden arbeitet, behandelt. Sie litt unter massiven Spannungskopfschmerzen, schon länger, durch die aktuelle Situation aber noch viel mehr. Die Klinik sei nun gespenstisch leer, alle warten auf den Ausnahmezustand. Die Massetermuskulatur im Kieferbereich war selbst für mich überraschend stark angespannt, die Kopffaszien steinern. Die Patientin hat von mir auch Übungen zur Selbsthilfe erhalten und die Zusage, dass sie sich je nach Dienstplan Tag und Nacht in den kommenden Wochen bei mir melden könne. Ich würde sie behandeln, wann immer es nötig sei. Sie war sehr erleichtert nach der Sitzung.

Wir haben alle Menschen über 75 Jahre angerufen und sie gefragt, ob es ihnen gut ginge und ob sie wirklich in die Praxis kommen wollen. Ich schwöre Ihnen, keiner der älteren Menschen hat den Termin abgesagt. Warum? Weil sie Rücken- und Gelenkschmerzen haben, weil Sie traurig sind ihre Enkelchen nicht zu sehen und das auch mal aussprechen wollen und, weil sie sich freuen mit uns in Kontakt kommen zu können. Sie kennen das Risiko, sind aber lebenserfahren genug, um dieses für sich einzuschätzen.

Ich könnte diese Liste in dieser Woche noch weiter fortsetzen, was ich aber nicht tun werde. In jeder schwierigen Situation gibt es auch etwas Gutes zu finden. Für mich wäre das, bezogen auf meine Leidenschaft, meinen Beruf als Osteopathin, dass mehr Menschen verstehen, welchen coolen Job wir eigentlich haben und welche Chancen sich für das Gesundheitssystem damit bieten.
Bleiben Sie gesund!

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Ihre Birgit Reiter, MSc Ost.
Staatlich anerkannte Osteopathin
Staatlich anerkannte Physiotherapeutin
Heilpraktikerin